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Gesellschaft für internationale Kulturprojekte e.V.

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Heideggers Rektoratsrede im Licht seiner Geschichtsphilosophie

Hausarbeit von Andreas Neumann (2012)

Fachbereich Philosophie
Note 1,3
Schlüsselbegriffe Heidegger, Rektoratsrede, Geschichtsphilosophie, Kulturpessimusmus, Öffentlichkeit, Gemeinschaft
Datum: 02.12.2013 Downloads: 861

Im Jahr 1933 gelangten die Nationalsozialisten an die Macht; es kommt zu einer Verbindung zwischen NS-Bewegung und dem Philosophen Heidegger: Der Fundamentalontologe wird zum Rektor der Freiburger Universität ernannt. In seiner „Rektoratsrede“ zeichnet Heidegger jenes Schreckbild des Gemeinschaftsverlustes, welches die konservativen Eliten in den Weimarer Jahren gegen die Republik in Stellung brachten. Der Rektor Heidegger umschreibt mit kühnen Worten die bedrohliche Spannung, welcher er Deutschland ausgesetzt sieht: Die „geistige Kraft des Abendlandes“ sei in Gefahr von der „abgelebten Scheinkultur“ in „Verwirrung“ und „Wahnsinn“ gerissen zu werden – gefolgt von dem Aufruf an seine akademischen Zuhörerinnen und Zuhörer: „Ob solches geschieht oder nicht geschieht, das hängt allein daran, ob wir als geschichtlich-geistiges Volk uns selbst noch und wieder wollen – oder ob wir uns nicht mehr wollen. Jeder einzelne entscheidet darüber mit, auch dann und gerade dann, wenn er vor dieser Entscheidung ausweicht.“ Ausweichen hieße den Weg des uneigentlichen „verfallenen“ Daseins gehen – nur jene, die entschlossen zur Wahl des eigentlichen Schicksals seien, könnten den „Untergang des Abendlandes“ verhindern. Die Rede vom „Schicksal“ als Notwendigkeit einer Gemeinschaft des Volkes entfaltet eine starke affektive Aura, die ihre philosophischen Prämissen nicht ohne Weiteres preis gibt: Welches theoretische Konzept verbirgt sich hinter dem Schicksalsbegriff? Eine weitere Frage ergibt sich aus einer in „Sein und Zeit“ ungelösten Spannung zwischen Individuum und Gemeinschaft: Ist es das individuelle Selbstsein des Daseins, das sich in sein Schicksal begibt und damit zwischen Wohl und Wehe des Volkes zu entscheiden hat oder obliegt es dem einzelnen Dasein lediglich sich in den „Marsch“, das heißt in das Geschehen eines bereits auf den Weg gebrachten Volkes (Gemeinschaft) einzuordnen? Das „gerade dann, wenn er vor einer Entscheidung ausweicht“ impliziert in der zweiten Lesart eine Gefahr für diese Gemeinschaft ausgehend vom „uneigentlich“ agierenden Individuum. Versteckt sich hier die heimliche Legitimation eines totalitären Zugriffs auf den „uneigentlichen“ Staats- und Volksfeind?

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