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Gesellschaft für internationale Kulturprojekte e.V.

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Das Urheberrecht und 68er-Bewegung: Quantitative und qualitative Untersuchungen zur Rezeption und Bedeutung der Raubdruckbewegung zwischen 1967 und 1973 in der BRD.

Magisterarbeit von Carmen Maria Thiel (2007)

Fachbereich Kulturwissenschaften
Note 1,0
Institution/Körperschaft Institut für Kulturwissenschaften
Schlüsselbegriffe Geschichte, Urheberrecht, geistiges Eigentum, Raubdruck, 68er
Datum: 10.09.2008 Downloads: 9957

Die Arbeit untersucht anhand unterschiedlicher Printmedien (Börsenblatt, Buchmarkt, Der Spiegel und diverser Zeitungen), welche Bedeutung der Raubdruck für die Gesellschaft der BRD im Zeitraum 1967 bis 1973 einnahm. Die quantitative Analyse ergab, dass die mediale Rezeption insgesamt auf niedrigem Niveau stattfand. Dabei wird ausführlich dargelegt, in welchem Umfang und mit welcher Intensität der Raubdruck in den jeweiligen Periodika behandelt wurde. Die Gegenüberstellung von zeitlichem Rezeptionsverlauf und Titelproduktion der Raubdrucke zeigte, dass von 1969 bis 1970 eine Korrelation bestand, danach jedoch konträre Konjunkturen stattfanden. Diese waren vor allem durch den Aktualitätsverlust des revolutionär motivierten Raubdrucks bzw. eine Verschiebung medialer Interessen bedingt. Zum anderen konnte die Untersuchung auf der qualitativen Ebene die Annahme einer öffentlichen Legitimierung des Raubdrucks bezeugen. Zwar bildete vor allem der Börsenverein eine Front gegen den Raubdruck, jedoch erwies sich diese als brüchig, da zahlreiche seiner Mitglieder – Verlage und Autoren – in der überwiegenden Mehrheit nichts unternahmen, um den unautorisierten Druck strafrechtlich zu verfolgen. Insbesondere die Zeitungsjournalisten, aber auch Der Spiegel und Buchmarkt erkannten die nutzbringenden Funktionen des Raubdrucks an. Die Untersuchung des Selbstverständnisses der Raubdrucker ergab zum einen, dass der Versuch, Theorie und Praxis zu vereinen teilweise erfolgreich war. Raubdrucke konnten als wirksames Gegenmittel gegen die kapitalistische Verfügungsmacht über Wissensbestände eingesetzt werden. Innerhalb der Raubdrucker wurden unterschiedliche Motivationen festgestellt, die sich je von einander abgrenzten. Damit ist die Heterogenität dieser Subbewegung deutlich geworden, die von den ihr außen stehenden Akteuren, seien es Gegner und Kritiker (z.B. Börsenverein) oder Befürworter (etwa große Teile der Presse), auf verschiedene Weise homogenisiert wurde. Es wird gezeigt, dass der Raubdruck nur marginal in einem rechtlichen Diskurs thematisiert, d.h. als (rein) rechtliches Problem verhandelt wurde, obwohl er zunächst ein das Urheberrecht tangierendes Phänomen darstellte. Trotz der weitestgehend öffentlichen Legitimierung des Raubdrucks wurde auf der juristischen Ebene keine Änderung hin zu einer Publikationspflicht und damit zu einem „Schutz von Kulturinteressen der Gesellschaft“ vorgenommen. Stattdessen wurde der Raubdruck in soziale, kultur- und politrevolutionäre Diskurse eingebunden, die in ihrer Wirkung darin mündeten, dass Verlage und Autoren umdachten bzw. sich anpassten. Dabei wurde in der hier vorliegenden Studie, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der erzielten Ergebnisse deutlich, dass die wissenschaftliche Landkarte zum Thema Raubdruck noch eine Reihe weißer Flecken aufweist, die eingehender empirischer Untersuchungen bedürften.

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